Aktuelles.

LR Hattmannsdorfer, Braeske, Lafenda

Technologie trifft Pflege

Wie kann Oberösterreichs Pflege digitale Innovationen noch stärker nutzen?

Oö. Innovationsgeist für Pflege nutzen

Oberösterreich ist ein Industrie- und Wirtschaftsbundesland, in dem Forschung und Erfindungen groß geschrieben werden. Diesen Innovationsgeist gilt es auch für die Pflege zu nutzen. Denn im Vergleich zu anderen Branchen sind Digitalisierung und Technologie in der Pflege noch immer wenig ausgeprägt. Gerade dort können sie aber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Angehörigen und auch den Pflegebedürftigen das Leben leichter machen.

 

„Es gilt in Oberösterreich ein klarer Grundsatz: Unser Land ist stark und sozial. Wir denken Leistungsbereitschaft und Hilfsbereitschaft zusammen. Deshalb werden wir die Stärken der Wirtschaft auch für die Sozialpolitik nutzen“, betont LR Wolfgang Hattmannsdorfer. „Besonders die Medizintechnik in Oberösterreich zeigt vor, was uns auch in der Langzeit- und Behindertenpflege gelingen kann. Diesen Weg werden wir einschlagen.“

 

Schwerpunkt Digitalisierung und Innovation in der Pflege

Um Digitalisierung und Technologien in der Pflege voranzubringen, setzt das Sozialressort insbesondere auf folgende Projekte:

 

  1. Einrichtung eines Oö. Pflegetechnologiefonds

Die Anreize für die Nutzung von Pflegeinnovationen waren bisher gering. Es wird daher gemeinsam mit Hochschulen ein neuer Pflegetechnologiefonds konzipiert. Durch eine strukturierte Zusammenarbeit und den Aufbau von Innovationsnetzwerken mit Wissenschaft und Wirtschaft soll die Innovationsfähigkeit und -intensität in der oberösterreichischen Betreuung und Pflege erhöht werden. Der Pflegetechnologiefonds wird von der Abteilung Soziales und den Regionalen Trägern Sozialer Hilfe kofinanziert.

 

  1. Definition einer Mindestausstattung für mehr Digitalisierung

Allen voran muss ein digitaler Zugang zur Verfügung stehen. Pflegedokumentation und Dienstplanerstellung sind mit geeigneten Softwareprogrammen abzuwickeln. Die Abteilung Soziales wird damit beauftragt, die nötige Mindestausstattung zu definieren. Die Trägerorganisationen sollen darüber hinaus dafür gewonnen werden, den Einsatz von neuen Technologien in Betreuungs- und Pflegesettings zu erproben.

 

  1. Ausweitung von ELGA

Die Anbindung an die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) wird vorangetrieben, um die Schnittstellen zwischen Betreuung und Pflege zu Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken zu verbessern.

 

Über ELGA erhalten die Alten- und Pflegeheime direkten Zugang zu Befunddokumenten. Pflegedokumente sind wechselseitig verfügbar, d.h. die Pflegeentlassungsinformation aus dem Krankenhaus landet sicher im APH, der Pflegesituationsbericht des APH kann zeit- und ortsunabhängig im Krankenhaus aufgerufen werden. Der Zugriff auf Labor- und Radiologiebefunde im APH verbessert die Pflegeplanung, z.B. für Therapien.

 

Da Arztbriefe direkt eingesehen werden können, erleichtert dies auch die Planung und Logistik im APH: So können dort eingetragene Ambulanztermine nach stationären Aufenthalten direkt für die Organisation nötiger Transporte verwendet werden. Die eMedikation, die Funktion zur Speicherung von Medikamentenverschreibungen, optimiert die Planung der Medikamenten-Verabreichung im APH, die Medikamenten-Beschaffung und die Kommunikation mit der Ärztin bzw. dem Arzt für Adaptierungen bei Verschreibungen.

 

  1. Zentrale Datendrehscheibe für die mobilen Dienste

Die Abteilung Soziales wird beauftragt, die digitale Datenerhebung weiter voranzutreiben und eine zentrale Datenauswertungsstelle einzurichten. Damit soll sichergestellt werden, dass es zwischen den Bezirken keine unterschiedlichen Standards und damit keine Unterschiede in der Administration mehr gibt.

 

Kompetenzstelle Trends und Innovation

Das Land Oberösterreich hat zu Beginn des Jahres die neue Abteilung Trends und Innovation ins Leben gerufen, um seine Expertisen in der Trendanalyse und Zukunftsarbeit noch weiter zu verstärken. Zukunftsrelevante Fragestellungen und Themen aufzugreifen, zu reflektieren, zu diskutieren und neue Lösungsansätze aufzuzeigen, ist eine Kernaufgabe der Oö. Zukunftsakademie als Teil der neuen Abteilung Trends und Innovation.

 

Megatrends geben Richtung vor

Hinsichtlich der zukunftsorientierten Gestaltung der Pflege sind es vor allem zwei große tiefgreifende Entwicklungen (Megatrends), die ineinandergreifen:

 

Der Megatrend Demografie – mit stark steigendem Pflegebedarf einerseits und einem Mangel an Pflegepersonal. Und der Megatrend Digitalisierung, der längst in allen Lebensbereichen Einzug gehalten und unser alltägliches Leben, unsere Arbeit, Dienstleistungen, die Wirtschaft verändert.

 

Die Demografie führt dazu, dass in naher Zukunft die Anzahl der älteren Menschen und damit auch jene der pflegebedürftigen Menschen stark ansteigen wird. Bis 2040 werden laut Prognoserechnung der Statistik Oberösterreich knapp 100.000 Menschen über 60 Jahren Hilfe im Alltag benötigen. Derzeit sind es ca. 65.000 – anders gesagt eine Zunahme um mehr als 50%.

 

Starker Anstieg rund um Zentralräume

Einen überproportionalen Anstieg wird es vor allem in den Bezirken des „Speckgürtels“ geben: in den Bezirken Urfahr-Umgebung, Wels-Land, Freistadt und Linz-Land. Es sind vor allem Bewohnerinnen und -bewohner der Zentralräume, die sich in den vergangenen Jahren in den Umlandbezirken angesiedelt haben. Im Unterschied zur Vergangenheit ist es zudem weniger üblich in größeren Familienverbänden zu leben, weshalb oftmals die entsprechenden Strukturen zur Versorgung im Alter innerhalb der Familien fehlen. Diese fehlenden familiären Strukturen müssen verstärkt kompensiert werden, denn in spätestens 20 Jahren wird diese Altersgruppe der Speckgürtel-Bewohnerinnen und -bewohner in die Kohorte der Pflegebedürftigen aufgerückt sein.

 

Abbildung 1: Pflegebedürftige in Oberösterreich nach Bezirken gesamt; Index: 2020 = 100% (Statistik OÖ)

 

Umso mehr werden in der Betreuung und Pflege digitale Lösungen bedeutsamer. MitarbeiterInnen, Angehörige und die Pflegebedürftigen selbst benötigen zukunftsfähige Lösungen. Die technologischen Entwicklungen schreiten rasant voran und es stellt sich die Frage, wie bringen wir Innovationen in die Praxis der Pflege? Welche praxisrelevanten Lösungsansätze für digitale Anwendungen, Produkte und Dienstleistungen haben für Oberösterreichs Pflege großes Zukunftspotenzial? Was ist umsetzbar und worin sollten wir investieren? Diese Themen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Technologie trifft Pflege“, bei der sich Vertreterinnen und Vertreter aus dem Sozialbereich, aus Forschung und Wirtschaft an einem strukturierten Wissens- und Erfahrungsaustausch beteiligen.

 

 

Fokus Digitalisierung von Prozessen und neue Dienstleistungen

Im Vergleich des Digitalisierungsstandes der Gesundheitssysteme von 17 EU- und OECD-Ländern 2018 kam Deutschland lediglich auf dem vorletzten Platz (16), Österreich erreichte Platz 10. Innerhalb des Gesundheitswesens stellt die Langzeitpflege aus unterschiedlichen Gründen einen Bereich mit unterdurchschnittlichem Technisierungsgrad dar. In der Langzeitpflege liegt der Fokus des Technikeinsatzes auf der Bewältigung der demografischen Herausforderungen bei Beachtung der ethischen Anforderungen an soziale bzw. personenbezogene Dienstleistungen (z. B. Sicherheit/Überwachung vs. Privatsphäre).

 

Beim Technikeinsatz in der Pflege geht es einerseits um die Umstellung analoger, meist papiergebundener betrieblicher Prozesse auf elektronische Verfahren (wie z. B. die elektronische Pflegedokumentation) und gleichzeitig deren Vereinfachung aus Anwendersicht aufgrund der technischen Möglichkeiten (z. B. automatisches Übertragen von Daten, Zeitstempel etc.). Andererseits schließen Technikeinsatz und Digitalisierung aber auch die Entwicklung neuartiger Formen der Dienstleistungserbringung ein, so dass sich der Wirkungsbereich von Pflege und Betreuung erweitert (z. B. Versorgung im ländlichen Raum ergänzend mittels Telepflege).

 

Die Ergebnisse einer 2019/20 vom IGES Institut in Deutschland durchgeführten Studie zum Technikeinsatz in Pflegeeinrichtungen verdeutlichte, dass betriebliche, verwaltungsnahe Prozesse bereits in hohem Maße digitalisiert sind, während der Technikeinsatz in der direkten pflegerischen Versorgung noch gering ist.

 

Maßgeschneiderte Systeme für die Pflege

Bisher standen technologiegetriebene Anwendungen im Vordergrund, d. h. es wurde gefragt, ob neue technische Entwicklungen nicht auch in der Pflege eingesetzt werden könnten. Das hat aber häufig nicht gepasst (u. a. Ablehnung seitens der Pflegebedürftigen oder Mehraufwand für Pflegekräfte, z. B. beim Thema Robotik). Erfolgreicher sind technische Entwicklungen, die konsequent bezogen auf die Bedarfslagen der zu Pflegenden und ihrer Bezugspersonen bzw. der professionellen Pflegekräfte ausgerichtet sind und bestehende Problemlagen der Betroffenen kompensieren.

 

 

Drei wichtige Erfolgsfaktoren für Pflegeinrichtungen sind:

  1. Systematische Entwicklung von Technikkompetenzen bei Pflegekräften (curriculare Verankerung in Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Pflegekräfte in Abhängigkeit vom konkreten Pflegesetting – stationärer/ambulanter Bereich)

 

  1. Nutzerbeteiligung bei der Technikentwicklung (Technik muss angesichts der heterogenen Zielgruppe individualisierbar sein)

 

  1. Arbeitswissenschaftliche Gestaltung des betrieblichen Implementierungsprozesses neuer technischer Anwendungen (einschl. von Unterweisungen/Schulungen pflegender Angehöriger) – Einbindung der Technik in klar definierte Ablaufprozesse und klare Zuständigkeitszuweisungen

 

Ausgehend von konkreten Lebens- und Bedarfslagen von Personen mit (drohendem) Pflegebedarf sollten einfache technische Alltagshilfen für die Mobilität, die Selbstversorgung und die Sicherheit entwickelt und implementiert werden. Weiterhin werden Anwendungen zur Förderung der Kommunikation und Vernetzung in die sozialen Netzwerke benötigt, da ein eigenständiges Leben bei Pflegebedürftigkeit nur möglich ist, wenn bedarfsgerechte Dienstleistungsangebote in den Bereichen der Pflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung genutzt werden.

 

Und: Technische Hilfen sollten von Pflegebedürftigen erst dann genutzt werden, wenn die dadurch gegebene Kompensation wirklich erforderlich ist (Tertiärprävention).

 

Strukturierte Begleitung von Innovationsprozessen

Deshalb setzen das Sozialressort und Oö. Zukunftsakademie einen gemeinsamen Auftakt, um Pflege, Wirtschaft und Wissenschaft ins Gespräch zu bringen und darüber zu diskutieren, welche Innovationen in der Pflege tatsächlich gebraucht werden und wie eine gemeinsame Projektentwicklung aussehen kann. Vorbild sind dabei die vielen erfolgreichen Cluster und Innovationsnetzwerke, die es in den unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen in Oberösterreich bereits gibt. In diesen Innovationsnetzwerken und im Wissenstransfer soll auch die Alten- und Behindertenpflege mitwirken und einen guten Platz finden.

 

Um die Einrichtungen auf diesem Weg zu unterstützen werden Organisationen und Unternehmen in einem strukturierten Innovationsprozess begleitet.

 

Begleitung von Innovationen in der Oö. Pflege

  1. Projektauftakt: „Technologie trifft Pflege“ ist als Impulsveranstaltung angelegt. Es sollen Potenziale ausgeleuchtet werden, sich Kooperationsideen herausbilden und idealerweise erste Partnerschaften zwischen Pflege, Wissenschaft und Wirtschaft anbahnen. Neben der Keynote von Dr. Grit Breaseke werden drei Best-Practice Beispiele den Horizont der Teilnehmer/innen erweitern und zu einem eigenen Projekt anregen:
  • Ein Sozialroboter im Pflegeheim Wolfern
  • Virtual Reality in der Pflegeausbildung
  • Linked Care – Interdisziplinäre digitale Zusammenarbeit in der mobilen Pflege

 

  1. Projektvorbereitung und Innovationsprozess: Organisationen und Unternehmen werden von einem Projektteam dabei unterstützt, die Projektüberlegungen zu konkretisieren und weiterzuentwickeln. Das Projektteam wird auch dabei helfen, geeignete Partner für die Umsetzung zu finden und Kooperationen zwischen Pflege, Wissenschaft und Wirtschaft aufzubauen.

 

  1. Projektumsetzung: Derzeit läuft im Sozialressort die Vorbereitung für einen Pflegetechnologiefonds, um entsprechende Anschubfinanzierungen bereitzustellen.

 

„Innovation will gelernt sein und braucht professionelle Begleitung und Struktur. Gemeinsam mit der Oö. Zukunftsakademie wollen wir in einem strukturierten Prozess unsere Einrichtungen in der Pflege für innovative Projekte gewinnen und dabei begleiten“, betont Hattmannsdorfer.

 

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