Aktuelles.

Die Allianz zur Attraktivierung der Pflege präsentiert die 50 Maßnahmen schwere Oö. Fachkräftestrategie Pflege

50 Maßnahmen für ein würdevolles Altern in OÖ

Ergebnispräsentation Oö. Fachkräftestrategie Pflege

 

„Gemeinsam gehen wir die Herausforderungen in der Pflege und Betreuung an. 50 machbare Maßnahmen um unsere Pflegerinnen und Pfleger zu entlasten, neue Mitarbeiter/innen zu gewinnen und die sehr gute Qualität in der oberösterreichischen Langzeitpflege zu erhalten. Wir können die Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht rückgängig machen – aber wir sind entschlossen, dass wir mit diesem Bündel an langfristigen Maßnahmen die Voraussetzungen schaffen, damit auch meine Generation auf ein würdevolles Altern in Oberösterreich hoffen kann. Danke allen Beteiligten für ihre Vorschläge und die konstruktive Mitarbeit, ich lade sie ein, sich ebenso tatkräftig an der Umsetzung zu beteiligen“, betont Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer.

 

„Die Herausforderungen in der Pflege sind uns allseits bekannt – Fachkräftemangel, der Anstieg älterer und hochbetagter Personen. Damit einhergehend zeichnet sich ein Anstieg der Pflegebedürftigkeit bei gleichzeitig geringen Einstiegen in Pflegeberufe von jüngeren Personen ab. Das Pflegepersonal leistet Unglaubliches für die Bevölkerung. Nicht zuletzt zeigten die pandemischen Auswirkungen, wie sehr wir auf unsere Mitarbeiter/innen angewiesen sind. Daher ist es an der Zeit, unseren Fachkräften Perspektiven für Entlastungen im Berufsalltag zu bieten sowie neue Wege im Recruiting einzuschlagen. Die 50 Maßnahmen sind ein redliches Bemühen von Land, Städte- und Gemeindebund in diesen Bestrebungen“, ist Bürgermeister Klaus Luger überzeugt.

 

Gemeindebundpräsident Bgm. Christian Mader ist froh, dass es gelungen ist, mit diesem Paket und den darin enthaltenen vielfältigen Maßnahmen einen wichtigen Schritt zu setzen, um wieder mehr Menschen für die Pflegeberufe zu gewinnen. „Ich bin überzeugt, dass damit auch langfristig eine erste Weichenstellung gelungen ist, diese wichtige und schöne Arbeit zu attraktivieren“, hält er abschließend fest.

 

Das Wichtigste im Überblick

 

  • Der demografische Wandel und die Entwicklung der letzten Jahre erfordert ein entschiedenes Handeln, um ein Altern in Würde weiterhin zu ermöglichen.
  • Die Zahl der freien Plätze aufgrund von Personalman­gel in den Alten- und Pflegeheimen ist innerhalb von sechs Jahren von 6 auf rund 1.160 gestiegen.
  • Das Land Oberösterreich, der Oö. Städtebund und der Oö. Gemeindebund haben die Dringlichkeit der Situation erkannt und die Allianz zur Attraktivierung des Pflegeberufes ins Leben gerufen.
  • In den letzten Monaten wurde die Oö. Fachkräftestrategie unter Beteiligung aller Systempartner/innen und Expert/innen in einem kompakten Prozess erarbeitet. In einer zu Beginn breit angelegten Beteiligungsphase wurden über 1.500 Maßnahmen gemeldet, die in drei Arbeitsgruppen zu realistischen Maßnahmen verdichtet wurden.
  • Das Ergebnis umfasst 50 Maßnahmen in fünf zentralen Handlungsfeldern:

 

 

 

  • Das erklärte Ziel ist, mit einem Bündel von Maßnahmen die Entwicklungen der letzten Jahre zu bremsen und dem Trend aktiv gegenzusteuern.
  • Das vorliegende Maßnahmenpaket stellt neben dem Bekenntnis zur Sicherstellung der Qualität der Pflege und Betreuung vor allem auch ein Bekenntnis zur Unterstützung der Pfleger/innen dar, deren Leistungen in Oberösterreich hoch geschätzt werden und unseren tiefen Respekt verdienen.
  • Alle Maßnahmen befinden sich im unmittelbaren Wirkungsbereich des Sozialressorts bzw. der Regionalen Träger Sozialer Hilfe.
  • Um keine Zeit zu verlieren wurden ausgewählte Maßnahmen bereits in die Wege geleitet, bspw. das Oö. Pflegestipendium.

 

 

Würdevolles Leben im Alter: In Oberösterreich gehen wir diese Herausforderung gemeinsam an

Die Ausgangssituation für die Fachkräftestrategie ist keine einfache. Die Zahl der Menschen mit Betreuungs- und Pflegebedarf steigt stark an, während die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter spürbar zurückgeht. Allen voran ist der Jahrgang der Babyboomer mittlerweile in der Pension angekommen. Gleichzeit besteht eine große Erwartungshaltung, die hohen Standards des Sozial- und Pflegesystems aufrecht zu erhalten oder sogar auszubauen. Dabei werden die sozialen Herausforderungen der demografischen Entwicklung Oberösterreich in den kommenden Jahren fordern, in der Altenpflege noch mehr als in jedem anderen Bereich. Genau vor diesem Hintergrund wurde bewusst als erster Schwerpunkt im Sozialressort und in einer gemeinsamen Allianz mit dem Gemeindebund und dem Städtebund die Fachkräftestrategie Pflege initiiert.

In den vergangenen Jahren hat sich der Personalmangel in der Betreuung und Pflege bereits verfestigt:

  • 2016 standen sechs Plätze wegen Personalmangels frei. Bis Mitte 2022 stieg die Anzahl der freien Plätze weiter auf 1.160 Betten an. Wird jetzt nicht entgegengewirkt, droht der Leerstand in den kommenden Jahren auf 3.000 und mehr Plätze zu wachsen.

 

Abbildung: Freie Plätze in oö. Alten- und Pflegeheimen aufgrund von Personalmangel
(Daten: Abteilung Soziales)

 

  • Dabei verlief die Zahl pflege- und betreuungsbedürftiger Menschen in Oberösterreich in den vergangenen Jahren noch relativ konstant. Bis 2030 wird die Zahl der Pflegebedürften aber um knapp 20 Prozent anwachsen, bis 2040 sogar um 45 Prozent.

Abbildung: Erwartete Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen in Oberösterreich
(Daten: Abteilung Statistik)

 

  • Die Anzahl an Ausbildungsplätzen wurde in den vergangenen Jahren zwar ausgebaut: 2016 wurden im Wirkungsbereich der Abteilung Soziales genau 800 Ausbildungsplätze angeboten, 2021 waren es bereits 975 Plätze. Es ist aber nicht gelungen, damit die Zahl der Absolventinnen und Absolventen zu erhöhen. Hinzu kommt, dass mehr als ein Viertel der Schülerinnen und Schüler die Ausbildung abbrechen.

 

Diese Entwicklungen der vergangenen Jahre können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Mit der Oö. Fachkräftestrategie Pflege sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um aktiv gegenzusteuern, und das Bemühen gestärkt werden, dass solche Herausforderungen künftig früher und konsequenter in Angriff genommen werden.

 

Ein konsequenter Fahrplan

Das Sozialressort des Landes, der Oö. Gemeindebund und der Oö. Städtebund starteten in einer gemeinsamen Allianz am 18. Februar 2022 den Prozess der Oö. Fachkräftestrategie Pflege. Dieser Prozess wurde bewusst kompakt und fokussiert gehalten, um möglichst zügig konkrete Ergebnisse vorlegen zu können.

Der Prozess wurde in drei Projektphasen durchgeführt:

 

  • In Phase 1 wurden bestehende Maßnahmenpapiere gesichtet und die Stakeholder aus Betreuung und Pflege eingeladen, konkrete Vorschläge zu übermitteln. Über 1.500 Maßnahmenvorschläge wurden rückgemeldet.
  • In Phase 2 wurden die Rückmeldungen von Expertinnen und Experten, die von den Trägerorganisationen in der Betreuung und Pflege nominiert wurden, in drei Arbeitsgruppen aufgearbeitet und zu konkreten Maßnahmenvorschläge zu erstellen. Der Fokus lag gezielt darauf, was im Wirkungsbereich des Sozialressorts des Landes und der Regionalen Träger Sozialer Hilfe tatsächlich umgesetzt werden kann, um zügig vorankommen.
  • In Phase 3 wurden die Empfehlungen der Arbeitsgruppen in der Projektleitung anhand der budgetären Möglichkeiten, der inhaltlichen Machbarkeit und der Wirkungsorientierung beurteilt und ein Umsetzungsplan für die kommenden Jahre erstellt. Mit der Umsetzung einzelner Maßnahmen wurde bereits während des Sommer 2022 begonnen und erste Maßnahmen auf den Weg gebracht – allen voran das Oö. Pflegestipendium.

Der Fachkräftestrategieprozess fand unter Einbindung der zentralen Stakeholder in der Betreuung und Pflege statt. Allen voran zählten dazu die Anbieter der mobilen Betreuung und Hilfe, die Träger der Alten- und Pflegeheime, die Träger der Ausbildungsstätten, die Sozialorganisationen, Sozialpartner und Gewerkschaften genauso wie die Parteien im Oberösterreichischen Landtag. 

 

 

Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick

 

Entlastung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Die Leistungen in der Betreuung und Pflege werden in Oberösterreich hoch geschätzt. Das ist ein Kom­pliment an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die tagtäglich bemerkenswertes leisten, Verantwortung übernehmen und einen unschätzbaren Beitrag in unserem Sozialsystem leisten. Um unsere Pfleger/innen spürbar zu entlasten werden wir den Mindestpflegeschlüssel erhöhen und den Personaleinsatz flexibler gestalten:

  • Erhöhung des Mindestpersonalschlüssels um 3,5 Prozent:
    • Die Höherbewertung der Demenz bei der Pflegegeldeinstufung bringt mehr Personal.
    • Die Leitungen des Betreuungs- und Pflegedienstes werden künftig nicht mehr im Mindestpflegepersonalschlüssel berücksichtigt, genauso wie schwangere Mitarbeiterinnen zu einem gewissen Grad.
  • Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Betreuung und Pflege erhalten in den kommenden zwei Jahren einen spürbaren Gehaltsbonus. Ein zentraler Erfolg ist, dass dabei unter Einsatz Oberösterreichs auch die Sozialbetreuungsberufe berücksichtigt wurden.
  • Auch die Gehälter der handwerklichen Berufe werden angehoben.
  • Außerdem werden die Entlastungsmöglichkeiten durch eine flexiblere Dienstplangestaltung

 

Gewinnung von neuen Fachkräften

Unser wichtigstes Ziel ist, aktiv Maßnahmen gegen den Leerstand von Pflege- und Betreuungsplätzen aufgrund des Personalmangels zu setzen. Daher werden neue Personalressourcen erschlossen:

  • Gewinnung von Personal durch Einbindung neuer Berufsgruppen mit pflegerischem Grundwissen.
  • Erleichterung des niederschwellige Berufseinstieges durch Einführung der neuen Kategorie „Stützpersonal“. Damit wollen wir vor allem erreichen, dass das Fachpersonal entlastet wird. Gleichzeitig soll das Stützpersonal in den Einrichtungen zum Pflegefachpersonal weiterentwickelt werden, durch die Verankerung einer Ausbildungspflicht innerhalb der ersten zwei Jahre.
  • Die neuen Personalressourcen sollen auch die Belastung durch kurzfristiges Einspringen reduzieren
  • Entwicklung von Karrieremodellen in der Pflege: Zur Unterstützung der Personalentwicklung werden neue Modelle für berufsbegleitende Ausbildungen teilweise in der Dienstzeit erarbeitet (z.B.: Fokus Stützpersonal zu Heimhilfen, Berufsgruppen mit Pflegeassistenz zu Pflegefachassistenz).
  • Entwicklung von Modellen zur Erhöhung des Beschäftigungsausmaßes mit dem Ziel eines Vollzeitanspruches

 

Weiterentwicklung von Ausbildung und Personalentwicklung

Die Ausbildung zum Betreuungs- und Pflegeberuf muss hohe Qualitätsstandards erfüllen, sie muss aber auch moderner und flexibler werden, zudem braucht es einen Wechsel von der Angebotsorientierung zur Bedarfsorientierung. Unsere Maßnahmen setzen daher speziell auch im Bereich der Ausbildung an:

  • Die Lehrpläne werden modernisiert, digitale und hybride Ausbildungsformen sollen die Berufsbegleitung erleichtern.
  • Modulare Ausbildungen sollen die Ausbildung flexibler Gestalten und weitere Zielgruppen erreichen (bspw. Personen mit familiären Verpflichtungen).
  • Ein eigenes Oö. Pflegestipendium für Sozialbetreuungsberufe wird finanzielle Unterstützung während der Ausbildung leisten.
  • Schaffung einer Anlaufstelle für Interessierte, sowie Neuausrichtung der Ausbildungskoordinierung.

 

Führungskräfte stärken

Gute Teams entwickeln sich nicht von heute auf morgen. Je besser die Führung, desto stärker die Teams. Damit das auch so bleibt, werden

  • Coaching-Angebote aus- und Führungskräftelehrgänge
  • Die Einsatzleitungen in der mobilen Betreuung und Hilfe und die Führungskräfte in den Alten- und Pflegeheimen bekommen künftig für ihre Führungstätigkeiten mehr Freiraum und Unterstützung.
  • Die Träger und Führungskräfte erhalten mehr Verantwortung in der Personalentwicklung.

 

Innovation und Digitalisierung:

Regeln und Qualitätskontrollen sind wichtig, sollen aber nicht die Eigenverantwortung und die Innovation einschränken. Oberösterreich ist ein Land des Fortschritts und der Innovation. Diesen Möglichkeiten wollen wir uns auch in der Pflege und Betreuung bedienen, daher werden

  • Pilotprojekte stärker gefördert und
  • ein Pflegetechnologiefonds wird aufgesetzt, um Innovationen zu beschleunigen.
  • Ein Trendmanagement soll installiert werden, um strukturelle Entwicklungen rechtzeitig erkennen und steuern zu können.

Ergebnisbericht Fachkräftestrategie Pflege

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